Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)

Einleitung

Die "Zuckerkrankheit", Diabetes mellitus genannt, ist eine Erkrankung, die hauptsächlich ältere Menschen betrifft. So haben ungefähr 5 % der Menschen in Deutschland einen Diabetes (nicht einmal jeder zwanzigste), wenn sie jünger als 60 Jahre alt sind. Ab einem Alter über 60 steigt diese Erkrankung jedoch stark an, sodaß bei den über 70-jährigen mindestens jeder 5. Bundesbürger von der Zuckerkrankheit betroffen ist (Quelle: Robert-Koch-Institut). So sind heutzutage insgesamt über 6 Millionen Deutsche Diabetiker, weltweit gibt es nahzu 400 Millionen Diabetiker. Dabei hat sich die Zahl in den letzten 30 Jahren mehr als verdoppelt, in den USA sogar mehr als verdreifacht.

Adipositas / Übergewicht

Da man nach dem Energieerhaltungssatz nicht Gewicht zunehmen kann, ohne daß Energie zugeführt wird, entsteht Übergewicht immer aus einem Mißverhältnis zwischen Energiezufuhr und Energieverbrauch:

  • zu viel bzw. falsches Essen
  • zu wenig Bewegung
  • Kombination von vielem / falschem Essen und Bewegungsmangel

Die Energie gelangt entweder in den Muskel (Bewegung), in das Gehirn (Denken) bzw. andere Körperzellen oder in die Leber. Wenn die Leber genug Energie gespeichert hat (Zuckermoleküle und Fett), dann nimmt sie nichts mehr auf und der Blutzuckerspiegel bzw. die Blutfettwerte steigen. Hier gilt das "Überlaufprinzip" nach Dr. Andreas Richter: Wenn der Tank voll ist, dann muß das Auto erst fahren, damit wieder nachgeankt werden kann; wenn die Leber also verfettet (voll) ist, dann müssen wir uns erst bewegen, bevor Essen wieder sinnvoll ist.

Adipositas-Chirurgie

In unserer Chirurgischen Universitätsklinik bieten wir Expertise auf dem Gebiet der Adipositaschirurgie (Prof. Dr. med. C. Schafmayer) an, der als Spezialist nicht nur technisch exzellent ist, sondern diesen Bereich auch wissenschaftlich an verschiedenen Standorten weiterentwickelt hat.

Hämochromatose / Bronzediabetes

Als Bronzediabetes bezeichnet man die Entstehung des Diabetes mellitus bei Patienten, die an einer Eisenspeicherkrankheit leiden. Diese kann auftreten, weil das Eisen nicht mehr abtransportiert wird oder weil viel zu viel Eisen zugeführt werden muß (z.B. durch Bluttransfusionen, wenn man eine Bluterkrankung hat). Wegen der typischen Braunfärbung der Haut erhielt die Krankheit ihren Namen.

Das Eisen, welche zu viel im Organismus vorliegt, lagert sich auch in den endokrin-aktiven Zellen ab und kann somit zu Ausfallserscheinungen hormonbildender Drüsen führen:
- Bauchspeicheldrüsenzellen, die Insulin produzieren
- weibliche bzw. männliche Keimzellen, die Geschlechtshormone produzieren
- Hirnanhangsdrüsenzellen
- Nebennierenzellen
u.a.

Manchmal sind verschiedene Hormonsysteme gleichzeitig betroffen, sodaß man diese Erkrankung auch mit einem Polyglandulären Autoimmunsyndrom (s. Endokrinologie) verwechseln kann. Die Behandlung konzentriert sich in Abhängigkeit der Ursache auf 3 Schwerpunkte:
- Leerung des Eisenspeichers durch Aderlässe
- Vermeidung der Eisenaufnahme durch Behandlung mit sog. Chelatbildnern ("Eisenfänger")
- Behandlung der Komplikationen (z.B. Drüsenausfälle)

"closed loop"- und AID-Systeme

Sogenannte closed loop- oder hybrid closed loop-Systeme werden auch als AID-Systeme (AID: automated insulin delivery) bezeichnet und sollen helfen, die Glukosestoffwechsellage besser einzustellen. Dies wird erreicht, weil Glukose-Meßwerte von einem Sensor über eine App bzw. eine direkte Übertragung zur Steuerung einer Insulinpumpe verwendet werden.
Closed loop heißt "geschlossene Schleife" und meint, daß - wie bei einem Thermostaten, der die Heizung zu Hause in Abhängigkeit von der Temperatur automatisch steuert - auch der Glukosespiegel automatisch durch die Insulinabgaben einer Pumpe geregelt werden kann. Soweit, daß man von einem "vollautomatischen Regelkreis" sprechen kann, ist man allerdings nicht; denn man muß bei jedem System unterschiedlich nachjustieren. Deshalb ist es ein Hybrid-System, welches eine automatisierte Pumpe und die Möglichkeit der zusätzlichen manuellen Steuerung verbindet (sog. hybrid closed loop). Das ist bis jetzt auch gut so.

Was benötigt man hierfür?

  • Es gibt mittlerweile 3 kommerzielle Systeme, die angeboten werden:
    - MiniMed 670G (und ähnliche Vorgängerpumpen)
       Vorteil: Anpassung der Insulinabgabe auch an hohe Glucosewerte
       Nachteil: nowendige Sensorkalibration
    - Medtrum A6-System
       Vorteil: Patchpump (aber nur für Diabetiker, die diese Pumpenart mag von Vorteil)
       Nachteile: keine Anpassung des Insulins an hohe Glukose; nowendige Kalibration
    - X-slim 2 / Tandem
       Vorteil: automatischer präziser Sensor ohne Kalibration
       Nachteil: Anpassung des Insulins an hohe Glucose erst ab 2021 mit neuer Software
    - weitere Pumpensysteme mit Sensorschnittstellen sind im Ausland bereits im Einsatz
       z.B. Kaleido, Dana RS, iLET

oder "Do it yourself (DIY) closed loop" (keine kommerzielle Entwicklung) mit

  • verschiedene Glukosesensoren möglich, auch solche mit sehr guter Präzision,
    die die Werte immerzu an ein Handy senden
  • Smartphone, auf welches ein selbst angepaßtes Programm aufgespielt wird
     - dieses übernimmt automatisch die Glukosewerte und zeigt sie an
     - es schätzt aufgrund der Grundeinstellungen, Glukosewerte und Eingaben den Insulinbedarf ab
     - es sendet ein Signal aus, um eine Insulinpumpe fernzusteuern (z.B. BlueTooth)
  • Signalwandler, welcher das Signal vom Programm im Handy verarbeitet und wie eine Fernbedienung zu einer Insulinpumpe weitergibt (manche Systeme), z.B. Bluetooth >>> Radiofrequenzen (nicht alle Pumpen benötigen einen solchen Zwischenschritt)
  • eine Insulinpumpe, Welche das Signal vom Handy oder vom Signalwandler aufnimmt und die Insulinabgabe entsprechend anpaßt
    Vorteile: verschiedene flexible Systeme teilweise kombinierbar
    Nachteile:
    - wird wegen rechtlicher Aspekte (keine zuleassene und systematisch getestete Medizinprodukte!) von manchen "kriminalisiert"
    - man benötigt ggf. einen Entwickleraccount für Software, Software selbst und Verständnis dafür
    - bis jetzt kann man dafür keine validierte Schulung durchlaufen; Hilfe gibt dafür "nur" bspw. über Facebook-Gruppen

 

Was sind die Voraussetzung für alle Varianten?

  • man muß sich mit seinem Glukosesensorsystem sehr gut auskennen
  • man muß sich mit seiner Insulinpumpe sehr gut auskennen
  • man muß nach wie vor seine Insulinbolusabgaben gut berechnen können, denn eine Vollautomatisierung schaffen die Systeme heutzutage noch nicht
  • man muß wissen, wie man solche Systeme stoppen und auf eine ganz normale Spritzentherapie umsteigen kann
  • man muß ein gut geschulter Patient sein
  • manche benötigen mit der selbstgeschriebenen Software Hilfe (Mitgliedschaft in entsprechenden Foren)

Diabetes mellitus

Diabetes mellitus Typ 1

Beim Diabetes mellitus Typ 1 greift das Immunsystem aus bisher zu wenig verstandenen Gründen die Insulin-produzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse an und führt - früher oder  später - zu deren Vernichtung. Schließlich wird in der Bauchspeicheldrüse zu wenig Insulin produziert, sodass die Blutzuckermoleküle nicht in die Zellen des Körpers hineingelangen können und die Organe einem Zuckermangel (Energiemangel, wie bei einem Auto ohne Benzin) ausgesetzt sind.

Bei dieser Diabetes-Form muß mit Insulin behandelt werden. Bei der Insulintherapie gibt es verschiedene Formen und Konzepte, wie diese durchgeführt wird. Das liegt daran, daß über die letzten 90 Jahre verschiedene Insulinsorten entwickelt wurden, wobei jedes seine Eigenheiten hat. So wird natürliches Insulin eingesetzt ("Alt-Insulin", "Normalinsulin"), Verzögerungsinsulin (normales Insulin mit besonderem chemischen Kniff) und "Insulinanaloga". Das sind Moleküle, die dem natürlichen Insulin weitgehend nachempfunden, aber an entscheidenden Stellen verändert wurden. Diese Veränderungen bewirken, daß der Insulin-ähnliche Stoff noch schneller wirkt als das natürliche Insulin oder viel, viel länger. Der eine Vorteil besteht darin, daß man keinen Spritz-Eß-Abstand mehr einhalten oder - wenn es viel länger wirkt - z.B. nur einmal am Tag "Verzögerungsinsulin" spritzen muß.

Außerdem gibt es noch die Therapie mit der Insulinpumpe, wofür wir ebenfalls Einstellungen und Schulungen anbieten.

Mehr und mehr Patienten werden von uns auch mit Glukosesensoren betreut, wobei wir die Versorgung mit verschiedenen Systemen anbieten (Schulung, Verschreibung, Einbau, Ausbau, Kontrolle).

Manchmal sind weitere hormbildende Organe von einem Angriff des Immunsystems betroffen; dann spricht man von einem Polyglandulären Autoimmunsyndrom.

Diabetes mellitus Typ 2

Während bei Typ 1 ein Insulinmangel vorliegt, wird beim Diabetes mellitus Typ 2 zunächst noch viel Insulin produziert, und die Spiegel sind sogar höher als bei Menschen ohne Zuckerkrankheit. Das Problem ist jedoch, daß dieses Insulin keine normale Wirkung entfalten kann. Man spricht deshalb von einer "Insulinresistenz".

Die Behandlung zielt also zunächst auf eine verbesserte Lebensführung ab, um den Patienten lange Lebensqualität und Unabhängigkeit zu erhalten. Dies schließt folgende Aspekte ein:

  • mehr Bewegung, mehr Bewegung, mehr Bewegung
  • mehr Schlaf, z.B. durch einen geregelten Tagesablauf
  • ggf. Umstellung der Ernährung auf ein Maß, das den Bedürfnissen des Menschen entspricht
  • Umstellung des Trinkverhaltens
  • Stärkung der geistigen Fitneß, z.B. Behandlung von Depressionen

Sind diese Maßnahmen erfolglos, dann werden verschiedene Medikamente eingesetzt, schließlich auch Insulin und ähnliche Stoffe, wenn Tabletten alleine nicht mehr helfen.

3 Gründe für Typ 2

Bewegungsmangel

Der Mensch ist dazu "gemacht", sich viel zu bewegen (nach Schätzungen ca. 10 bis 20 km pro Tag). Mit der Entwicklung der Gesellschaft hat der Mensch versucht, sich die Arbeit immer leichter zu machen. Leider ist er bei manchen Dingen weit über das Ziel hinausgeschossen, und er verwöhnt sich viel zu sehr. Viele Arbeiten lassen sich vom Schreibtisch aus erledigen. Der Muskelstoffwechsel erhält kaum Anregungen und ist wie heruntergefahren. Normalerweise müßte der Mensch mehrere Kilometer am Tag zügig spazieren gehen, denn die Anpassung des Stoffwechsels für den Menschen schließt körperliche Arbeit und das Gehen langer Wege mit ein. Und tatsächlich, wenn man im Urlaub eine "Städtetour" unternimmt (ohne Stadtrundfahrt), dann kommt man leicht auf 10 km - auch wenn dem Ungeübten danach die Beine weh tun...

Heute weiß man, daß Knochenzellen in den Beinen bestimmte Moleküle bei Belastung ausschütten. Diese dienen dem Körper, um seinen Knochenbau dem Gewicht anzupassen. Diesselben Moleküle signalisieren dem Gehirn aber auch, wenig Appetit zu entfalten. Denn wer viel geht und steht, der wiegt viel und benötigt kein Hungergefühl. Wer allerdings viel sitzt und liegt, der wiegt nicht so viel und entwickelt Appetit.

Schlafmangel

Ein unregelmäßiger Tagesablauf bewirkt oft, daß noch spät in die Abendstunden hinein gegessen wird. Das führt dazu, daß der Abbau von Fett gestört wird und die stoffwechselaktiven Zellen von Fettmolekülen überladen werden.

Wichtig ist auch, dass der Körper hinreichend viel Schlaf hat, um seine Stoffwechselprozesse in Ruhe abschließen zu können. Die Reduktion von Schlaf nimmt dem Körper die Zeit, bestimmte Abbauprozesse zu Ende zu führen, um Raum für neue Nahrung zu schaffen. Dieser Umstand fördert ebenfalls die Überladung stoffwechselaktiver Zellen mit Fett- und Zuckermolekülen.

Während des Schlafes werden hormonelle Rhythmen reguliert und angepaßt. Ein Schlafmangel führt zu einer Streßreaktion und damit auch zur Ausschüttung von Streßhormonen. Nahezu alle Streßhormone provozieren Appetit und bewirken tiefgreifende Veränderungen im Glukosestoffwechsel sowie insgesamt eine Steigerung des Blutzuckers. Die Verwertung der Zuckermoleküle wird hingegen gehemmt.

Falsches Essen

Während der Mensch während seiner Entwicklung immer wieder Hungerzeiten durchmachen mußte, wird in Deutschland heute eher zu viel gegessen. Und nicht nur das. Das Essen ist bereits vorbereitet, gewürzt, angereichert, haltbar gemacht, usw. Kurz: wir essen heutzutage nicht nur zu viel, sondern auch die Zusammensetzung des Essens ist oft falsch, wenn man darauf zu wenig achtet.

Um es gut zu machen, muß man sich aktiv für seine Ernährung interessieren und die notwendige Zeit nehmen. Wurde die Diagnose eines Diabetes mellitus Typ 2 gestellt, ist die Zeit gekommen, sich darüber Gedanken zu machen. Eine Ernährungsberatung ist spätestens dann sinnvoll. Vielleicht lohnt sich eine Ernährungsberatung auch für andere Menschen?

Zum Beispiel gewöhnt sich der Mensch relativ leicht an salzreiches Essen, gezuckerten Tee bzw. Fruchtsäfte oder Limonaden sowie fettreiche Mahlzeiten. Das ist gleichzeitig eine gute Nachricht: der Mensch kann sich ebenso an salzärmeres Essen, ungesüßten Tee bzw. Wasser oder Sprudelwasser sowie fettarme Mahlzeiten gewöhnen. Die Umstellung kann gelegentlich schwierig sein. Tatsächlich ist es heutzutage nicht selbverständlich, seinem Körper alle Stoffe, die er benötigt, in ausreichender Menge zuzuführen, ohne zu viel zu Essen. Deshalb bedarf die Ernährung eines geschulten Auges und eines starken Willens.

5 Ziele einer guten Diabetesbehandlung

Neuere Studien haben gezeigt, daß 5 Aspekte bei Diabetikern besonders wichtig sind, um eine (fast) völlig normale Lebenserwartung bei guter Lebensqualität zu erreichen:

  1. Nichtraucher sein
  2. viel Bewegung
  3. Liebe, Lachen, Lust zum Leben (z.B. kein Streß in/mit der Familie, mit Nachbarn, bei der Arbeit)
  4. gute Blutzuckereinstellung mit (fast) normalem HbA1c
  5. gute Blutdruckbehandlung mit Werten um 130/80 mm Hg (und niedriger)

Je früher diese Ziele erreicht werden, desto normaler ist die Lebenserwartung und die Lebensqualität.

Folgende Dinge spielen danach auch eine wichtige Rolle:

  • gesunde Ernährung
  • normale Blutfette, ggf. auch mit medikamentöser Therapie
  • keine Eiweißausscheidung im Harn / normale Nierenfunktion

Diabetes mellitus infolge anderer Erkrankungen

In dieser Gruppe werden solche Erkrankungen zusammengefaßt, die zu einem Diabetes mellitus führen, aber eben keine Immunreaktion darstellen (also kein Typ 1) und auch keinen typischen Diabetes Typ 2. Hierzu zählen folgende Formen:

  • genetische Ursachen (z.B. MODY - Maturity Onset Diabetes of the Young). Wenn z.B. der Zuckerspiegel von der Bauchspeicheldrüsenzelle nicht richtig wahrgenommen wird, reagiert die Bauchspeicheldrüse mit einer verspäteten oder zu geringen Ausschüttung von Insulin. Dann entsteht auch ein Diabetes mellitus. Zur Entdeckung dieser Varianten benötigt man viel Erfahrung. Bei entsprechendem Verdacht stehen heutzutage Gentests zur Verfügung.
  • dauerhafte Entzündung der Bauchspeicheldrüse (chronische Pankreatitis): Hierbei wird das Gewebe der Bauchspeicheldrüse aufgelöst, einschließlich der Insulin-produzierenden Zellen. Es entsteht ein Insulin-Mangel. Auch Operationen an der Bauchspeicheldrüse führen zum selben Problem.
  • Diabetes mellitus infolge hormoneller Veränderungen, z.B. Schilddrüsenüberfunktion, Akromegalie (Wachstumshormonüberschuß bei Hirnanhangsdrüsenstörung), Cushing-Syndrom (zu viel Cortisolproduktion im Körper), Therapie mit Glukokortikoiden (Cortison-artige Stoffe), u.a. Auch bezüglich dieser Probleme besteht bei uns ein Schwerpunkt.
  • Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes). In der Schwangerschaft besteht ein besonderes Risiko, einen Diabetes zu entwickeln, und es finden sich Besonderheiten bei der Diagnose und bei der Therapie.
  • syndromatische Formen, z.B. DIDMOAD-Syndrom (Kombination mit Diabetes insipidus, Taubheit, Blindheit), u.a.

Es gibt sogar noch mehr Formen, die jedoch sehr selten sind.

Glukosesensoren

Glukosesensoren haben 3 entscheidende Vorteile gegenüber herkömmlichen Selbstmessungen:

  1. kontinulierliche Messung ohne Fingerstiche (bei den meisten Systemen)
  2. Alarmfunktion, bspw. bei Unterzuckerungen (bei den meisten Systemen)
  3. Einbeziehung von Bekannten/Verwandten als "Follower-Funktion", um bspw. Hilflosigkeit abzuwenden (bei den meisten Systemen)

Unsere Sektion bietet als zertifiziertes Zentrum auch Beratungen zu allen am Markt befindlichen Glukosesensorsystemen und Insulinpumpen an. Wir führen die technischen Einweisungen in diese modernen Technologien durch, nehmen In- und Explantationen vor. Haben Sie Fragen? Dann kontaktieren Sie uns bitte.

Phosphatdiabetes

Wird zuviel Phosphat über den Urin ausgeschieden, dann spricht man vom "Phosphatdiabetes". Hierfür gibt es angeborene (z.B. mangelnder Abbau von FGF23) und erworbene Ursachen (z.B. vermehrte Bildung von FGF23). Die Folge davon sind oft erniedrigte Spiegel für Phosphat im Blut, aber auch - und dies stört die Patienten und Ärzte oft noch mehr - niedrige Spiegel an aktiviertem Vitamin D und Kalzium. Der Phosphatverlust über die Nieren kann auch zu einer verminderten Knochenfestigkeit mit Brüchen führen. Man spricht dann von einer "phosphopenischen Rachitis".

s. osteologische Sprechstunde

Wie wird ein Diabetes festgestellt?

Während früher diese Erkrankung durch Abschmecken des süßen Urins diagnostiziert (Diabetes mellitus: "honigsüßer Durchfluß") und später die Zuckerausscheidung im Urin ermittelt wurde, mißt man heutzutage den Blutzuckerspiegel (am besten nüchtern oder 2 Std. nach dem Trinken von Traubenzuckerwasser bzw. Johannisbeersaft mit 75 g Zucker). Oder es wird der Anteil des roten Blutfarbstoffs bestimmt, der durch hohe Blutzuckerwerte verändert wird (HbA1c, "Langzeitblutzuckerwert"). Noch vor 20 Jahren haben Patienten (und Ärzte) die Ausscheidung von Zucker im Urin, welche der Erkrankung ihren Namen gab, mit Urin-Teststreifen gemessen und die Verfärbung mit verschiedenen Stiften in einem Tagebuch dokumentiert. Heutzutage stehen moderne Blutzuckermessgeräte zur Verfügung, die an Computer angeschlossen oder mit Handys, Laptops, etc. verbunden werden können.

So ist es heutzutage möglich, die Glukose länger als 1 Monat unter der Haut in der Flüssigkeit zu messen, die zwischen den Organen und Zellen z.B. in die Lymphe fließt ("Gewebezucker"). Die Ergebnisse der Messungen können auf ein Handy oder eine Computeruhr ("Smart-Watch") gespielt und mithilfe eines kleinen Programmes ("App") ausgelesen werden. Diese Programme sind auch von Familienangehörigen installierbar, sodaß beispielsweise Eltern die Glukosewerte ihrer Kinder nachsehen können, auch wenn sich diese woanders befinden (Kindergarten, Schule, Sport, Kindergeburtstag, Übernachtung, Ferienlager). Sofern dies gewünscht ist, binden wir auch Familenangehörige in solche Systeme ein. Besonders attraktiv sind solche technischen Lösungen für Patienten, die Untrzuckerungen erfahren, ohne daß sie diese merken, weil dann ein Alarm eingestellt werden kann.

Es ist deshalb wichtig, daß unsere Mitbürger ihre Vorsorgetermine beim Hausarzt wahrnehmen und bei bestimmten Symptomen wie steigende Urinmenge mit häufigem Wasserlassen und Durstgefühl, Problemen der Sehkraft und zunehmende Kraftlosigkeit gepaart mit Gewichtsabnahme ihren Arzt aufsuchen und entsprechende Angebote, z.B. Blutzuckermessung und Blutdruckmessung in der Apotheke, wahrnehmen.


Unser Programm für Patienten mit Diabetes mellitus

Im Diabetes-Team unserer Sektion arbeiten stationär und ambulant tätige Diabetes-Beraterinnen DDG und 3 Fachärzte mit Spezialisierung Diabetologie. Neben der umfangreichen Diagnostik (u.a. auch >24-Std.-Blutzuckermessungen) und der Behandlung diabetischer Füße, der diabetischen Stoffwechsellage und der Fettstoffwechselproblematik liegt ein wichtiger Schwerpunkt auf der Diagnostik und Therapie der arteriellen Hypertonie, was insbesondere für das Auftreten von Folgeschäden relevant ist.

Beachtenswert ist überdies die interdisziplinäre Zusammenarbeit an der UMR: In der Augenklinik besteht viel Erfahrung bei der Charakterisierung und Quantifizierung der diabetischen Retinopathie. Eine besondere Expertise liegt dort auf dem Gebiet der diabetischen Neuropathie durch Spiegelung von Nervenfasern im Auge mit international einmaligen Mikroskopen vor. Bitte informieren Sie sich dort über entsprechende Studien- und Betreuungsangebote.

Im Haus bestehen seitens des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie (Prof. M.-A. Weber) alle Möglichkeiten der Gefäßversorgung, sodaß neben der Darstellung von Engstellen auch Interventionen an den Blutgefäßen sofort durchgeführt werden können.

Enge Kontakte liegen zu den Kollegen des Gefäßzentrums (PD Dr. J. Groß und Dr. Th. Heller) vor, mit denen wir gemeinsam eine interdisziplinäre Wundsprechstunde anbieten (s.u.). Mit der Abteilung für Unfallchirurgie (Leiter: Prof. Dr. Mittlmeier) arbeiten wir nicht nur auf dem Gebiet der Osteoporose gut zusammen, sondern auch wegen des Schwerpunktes auf der operativen Versorgung von Patienten mit diabetischer Chondroarthropathie ("Charcot-Fuß"). Rostocker Transplantationschirurgen arbeiten darüberhinaus in internationalen Gremien mit, die die Standards in der Pankreas-Nierentransplantation definieren.

Abgerundet wird unser Diabetes-Programm durch den Beitrag der Kollegen aus der Medizinischen Biochemie und Molekularbiologie der UMR, die den Untergang der insulin-produzierenden Betazellen in der Bauchspeicheldrüse (Prof. Dr. S. Baltrusch und Prof. Dr. M. Tiedge) und unterschiedliche Diabetestypen sowie die Wirkung sowie Nebenwirkungen von Diabetesmedikamentenerforschen.