angeborene Stoffwechselkrankheiten

Einleitung

Unter "angeborenen Stoffwechselkrankheiten" versteht man im engeren Sinne Störungen des Stoffwechsels von Aminosäuren, Fetten oder Zuckermolekülen, welche oft bereits im frühen Kindesalter auffallen und Auswirkungen auf die Funktion verschiedener Organe haben: Hirnentwicklung, motorische Entwicklung (Bewegung), Knochengesundheit, Blutbildung, und anderes.  Viele dieser Erkrankungen können heute im Neugeborenen-Screening erfaßt und so zeitig diagnostiziert werden. Die Behandlung besteht oft in einer Diät oder in einer Ersatztherapie bzw. einer Kombination von beidem.

Oft ändern sich die Ziele einer solchen Therapie im Erwachsenenalter. So ist bspw. die Entwicklung von Organen dann bereits abgeschlossen und man muß eher der Entwicklung von Komplikationen vorbeugen. Die erwachsenen Patienten, die wir wegen solcher Stoffwechselstörungen betreuen, übernehmen wir i.d.R. von einem spezialisierten Kinderarzt.

Diabetes mellitus bei Mukoviszidose

Die Mukoviszidose (zystische Fibrose) ist eine Erkrankung, die viele Organsysteme betreffen kann - vor allem Lunge und Bauchspeicheldrüse. Wegen einer chronischen Entzündung der Bauchspeicheldrüse kann sich auch ein Insulinmangel-Diabetes entwickeln.

Fettstoffwechselstörungen / Lipidsprechstunde

Krankheitsbilder

- primäre und sekundäre Hyperlipidämien
- familiäre Dyslipoproteinämien
- komplizierte Verlaufsformen
- CSE-Hemmer- / Statinunverträglichkeit

Gicht

Mit Gicht kann man die Folgen, erhöhter Harnsäurespiegel im Blut beschreiben. Harnsäure nehmen wir durch den Verzehr gehaltvoller Nahrungsmittel (Fleisch, Wurst, etc.) auf. Der Spiegel im Blut kann also bei Fehlernährung steigen, aber auch  wenn die Ausscheidung der Harnsäure durch bestimmte Medikamente gehemmt wird. Bei den Stoffwechselprozessen gibt es eine vererbliche Komponente. Es ist auch möglich, daß der Harnsäurespiegel akut steigt, bspw. wenn Zellen vermehrt abgebaut werden (Infektion, Bluterkrankung, Entzündung, Tumorleiden, Chemotherapie, Bestrahlung).

Erreicht der Harnsäurespiegel eine kritische Höhe, kann es sein, daß die Moleküle als spitze Uratkristalle "ausfallen" (vorstellbar wie die Eisbildung bei kaltem Wasser). Dies kann akut (Gichtanfall) oder chronisch (Gichttophi in Haut und Knochen) geschehen. Diese Kristalle können dann Entzündungsvorgänge und Schmerzen in typischen Gelenken verursachen. Die Therapie richtet sich deshalb zunächst gegen die die Schmerzen und die Neubildung von Harnsäure bzw. unterstützt den Abbau. In der Dauertherapie wird die Zufuhr von Harnsäure gedrosselt (z.B. Erährungsberatung) und versucht, bestimmte Stoffwechselwege zu blockieren, damit der Blutspiegel sinkt.

Glykogenose

Die Glykogenose gehört zu den Glykogenspeicherkrankheiten, in der Folge der als Glykogen gespeicherte Zucker nicht mehr aus der Leber freigesetzt werden kann. Das kann zu den Unterzuckerungen (Hypoglykämien) führen und zur Stoffwechselverschiebung mit einer Lactatazidose ("Übersäuerung" bei Milchsäureüberschuß).

Die Behandlung erfolgt durch eine entsprechende Diät, Zufuhr ausreichender Kohlenhydrate und durch Vermeidung von Unterzuckerungen mit Selbstmessungen des Lactatspiegels und des Blutzuckers (s. Glukosesensoren bei Diabetes mellitus).

Hämochromatose / Bronzediabetes

Als Bronzediabetes bezeichnet man die Entstehung des Diabetes mellitus bei Patienten, die an einer Eisenspeicherkrankheit leiden. Diese kann auftreten, weil das Eisen nicht mehr abtransportiert wird oder weil viel zu viel Eisen zugeführt werden muß (z.B. durch Bluttransfusionen, wenn man eine Bluterkrankung hat). Wegen der typischen Braunfärbung der Haut erhielt die Krankheit ihren Namen.

Das Eisen, welche zu viel im Organismus vorliegt, lagert sich auch in den endokrin-aktiven Zellen ab und kann somit zu Ausfallserscheinungen hormonbildender Drüsen führen:
- Bauchspeicheldrüsenzellen, die Insulin produzieren
- weibliche bzw. männliche Keimzellen, die Geschlechtshormone produzieren
- Hirnanhangsdrüsenzellen
- Nebennierenzellen
u.a.

Manchmal sind verschiedene Hormonsysteme gleichzeitig betroffen, sodaß man diese Erkrankung auch mit einem Polyglandulären Autoimmunsyndrom (s. Endokrinologie) verwechseln kann. Die Behandlung konzentriert sich in Abhängigkeit der Ursache auf 3 Schwerpunkte:
- Leerung des Eisenspeichers durch Aderlässe
- Vermeidung der Eisenaufnahme durch Behandlung mit sog. Chelatbildnern ("Eisenfänger")
- Behandlung der Komplikationen (z.B. Drüsenausfälle)

(Krypo-) Pyrrolurie / Hämopyrrolaktamurie / Malvarie

Die Krypopyrrolurie besitzt verschiedene Namen. Die "Diagnose" wird üblicherweise bei abnorm gesteigerter Pyrrolausscheidung gestellt. Die namensgebenden Stoffe sind chemisch noch nicht eindeutig identifiziert, ein Krankheitsmechanismus hat sich erfreulicherweise nicht bestätigt.

(Empfehlung des Robert-Koch-Instituts: Bundesgesundheitsbl - Gesundheitsforsch - Gesundheitsschutz 10 · 2007)

Phenylketonurie (PKU)

Die PKU bzw. Hyperphenylanalinämie ist eine Stoffwechselstörung, die 1934 vom Norweger Prof. Dr. Asbjørn Følling entdeckt wurde und den Aminosäure-Eiweiß-Stoffwechsel betrifft (Fölling-Probe). Sie war die erste Erkrankung, für die ein Neugeborenen-Screening entwickelt wurde (Guthrie-Test). Sie wird mittels lebenslanger Diät behandelt.
Bei der PKU kann Phenylalanin nicht mehr in Tyrosin umgewandelt werden. Die Folge ist, daß Phenylalanin stark ansteigt und anders verstoffwechselt wird, sodaß toxische (giftige) Moleküle entstehen, und daß Tyrosin für die Synthese anderer Stoffe fehlt (z.B. Dopamin- oder Serotoninmangel).

- klassische Phenylketonurie (PKU Typ I)
Ein Gendefekt auf dem Chromosom 12 führt zum Phenylalanin-Hydroxylasemangel und somit zur Abbauhemmung von Phenylalanin.

- atypische Phenylketonurie (PKU Typ II)
Ein Dihydropteridin-Reduktase-Defekt bewirkt einen Tetrahydrobiopterinmangel. Das Tetrahydrobiopterin ist für die korrekte Funktion der Phenylalanin-Hydroxylase notwendig. Die atypische PKU kann deshalb auch mit Zugabe von Tetrahydrobiopterin behandelt werden.

- Phenylketonurie Typ III
Die Bildung von Tetrahydrobiopterin aus Guanosintriphosphat ist gehemmt, sodaß eine Variante der "atypischen" PKU entsteht (Defekte in der Pyrovoyl-Tetrahydrobiopterin-Synthase und GTP-Cyclohydrolase).

Die Grundlage der Therapie besteht in der Meidung von Phenylalanin-haltiger Nahrung und in der Zufuhr anderer Eiweißquellen von Tyrosin.

Phosphatdiabetes

Wird zuviel Phosphat über den Urin ausgeschieden, dann spricht man vom "Phosphatdiabetes". Hierfür gibt es angeborene (z.B. mangelnder Abbau von FGF23) und erworbene Ursachen (z.B. vermehrte Bildung von FGF23). Die Folge davon sind oft erniedrigte Spiegel für Phosphat im Blut, aber auch - und dies stört die Patienten und Ärzte oft noch mehr - niedrige Spiegel an aktiviertem Vitamin D und Kalzium. Der Phosphatverlust über die Nieren kann auch zu einer verminderten Knochenfestigkeit mit Brüchen führen. Man spricht dann von einer "phosphopenischen Rachitis".

s. osteologische Sprechstunde

Porphyrie

Bei der Porphyrie kommt es zu Störungen bei der Synthese oder dem Abbau des roten Blutfarbstoffs, wobei sich Zwischenprodukte aufstauen und verschiedene Symptome verursachen können, einschl. Übelkeit/Bauchschmerzen, Hautsymptome bzw. Leberwertveränderungen. Manchmal sieht der Harn aus, als ob man darüber Blut verliert, wobei die Rötung oft erst nach längerem Stehen eintritt.

Wir gehören zu den Porphyrie-Zentren hier im Norden und bieten verschiedene Therapieformen an. Auch für hormonell-bedingte Anfälle haben wir Lösungsvorschläge, die sich zusammen mit den Gynäkologen umsetzen lassen.